Die neue Realität des deutschen Verbraucherverhaltens

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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind immer noch allgegenwärtig. Nichtsdestotrotz normalisiert sich das Leben deutscher Verbraucher so langsam wieder, Restaurants öffnen ihre Türen, die Zeit des Home-Office ist fast vorbei und viele Betroffene genießen ein Stück Normalität. Ein Großteil der Konsumenten hat jedoch Großanschaffungen und Reisen auf den Beginn des Jahres 2021 verschoben.

Der momentanen Normalität ist also noch immer nicht ganz zu trauen, weswegen Verbraucher momentan hauptsächlich Produkte des alltäglichen Bedarfs erwerben, neben einigen Konsumgütern, die viele Konsumenten in den letzten Wochen der Ausgangssperre und dem sogenannten Social Distancing zum ersten Mal online eingekauft haben. Bei diesen Gütern des täglichen Bedarfs sowie den Konsumgütern handelt es sich hauptsächlich um Lebensmittel, Desinfektionsmittel, Medikamente und Unterhaltungselektronik, welche während der Pandemie ein Verkaufshoch verzeichnen konnten. Andere Branchen, wie zum Beispiel die Reise- und Veranstaltungsunternehmen haben in den letzten Monaten nahezu keinen Umsatz verzeichnen können. Nichtsdestotrotz stieg der E-Commerce weltweit um 3% an.

In diesem Blogpost möchte ich die Entwicklungen der letzten Monate genauer analysieren und darlegen inwieweit die deutschen Verbraucher ihr Einkaufsverhalten von offline auf online umgestellt haben und wie diese Entwicklung die Zukunft des E-Commerce auf dem deutschen Markt beeinflussen wird.

Rasanter Anstieg von Online-Einkäufen

Der deutsche Markt ist konservativer, als andere Märkte in Europa, den USA oder Lateinamerika. Deutsche Verbraucher bevorzugen es in Ladengeschäften einzukaufen, da sie es gewohnt sind sich vor dem Kauf eines Artikels von dessen Qualität zu überzeugen. Vor der Corona-Pandemie kauften daher nur rund 26% regelmäßig online ein, Ende Mai ließ sich jedoch ein Anstieg von fast 50% verzeichnen. Die Ladenlokale waren zu diesem Zeitpunkt noch immer geschlossen und Verbraucher, die kleinere Anschaffungen, wie Kleidung oder einen neuen Fernseher vor sich herschoben wendeten sich letztendlich dem E-Commerce zu, um besagte Produkte zu erstehen. Ab diesem Zeitpunkt kauften 49% aller Verbraucher regelmäßig online ein.

Der E-Commerce verharrt jedoch in Deutschland weiterhin in seiner Anfangsphase. Von 56.5 Millionen Verbrauchern kaufen 29% regelmäßig online ein. Während der Corona-Pandemie konnten wir feststellen, dass die Anzahl an Verbrauchern, die online einkauften ab März über die nächsten Wochen bis einschließlich Mai stetig zunahm. Dadurch hat sich die Anzahl der Verbraucher, die nun regelmäßig einkaufen mit 28% nahezu verdoppelt.

Obwohl der Konsum im Allgemeinen zurückgegangen ist, da Verbraucher in ungewissen Zeiten ihr Geld lieber sparen, als sich Luxusgüter anzuschaffen, lässt sich der Anstieg auf praktische Gründe zurückführen. Folgendes Szenario könnte Verbraucher die sonst in Ladenlokalen einkaufen dazu bewogen haben online einzukaufen: die Drogerie um die Ecke hatte die hochwertige Gesichtscreme nicht im Sortiment oder die Kinder waren aus ihren Schuhen rausgewachsen und es führte kein Weg drumrum diese online zu erwerben.

Wandel im Einkaufsverhalten

Obwohl Otto, Zalando und co. starke Rückgänge an Bestellungen verbuchten ging die Modebranche neben weiteren Branchen, wie Lebensmittel, Medikamente und Unterhaltungselektronik als Gewinner hervor. Bei all diesen Branchen handelt es sich nämlich um essentielle Güter des täglichen Gebrauchs, die aufgrund der Ausgangssperre und weiteren Regulierungen lange Zeit nicht in Ladenlokalen erworben werden konnten. 

Im Großen und Ganzen kauften 12% der deutschen Verbraucher Produkte online, die sie normalerweise in einem Ladenlokal eingekauft hätten. Eine Verbraucherumfrage von Statista zum Einfluss auf den E-Commerce zeigt, dass sechs von zehn Verbrauchern auch nach der Corona-Pandemie weiterhin besagte Produkte online einkaufen werden, welche sie sonst anderweitig erstanden hätten. Sehen Sie sich zudem die Grafik der Kantar-Studie an, in welcher zu erkennen ist, mit welcher Wahrscheinlichkeit deutsche Verbraucher auch nach der Coronavirus-Pandemie im gleichen Umfang weiter online einkaufen werden:

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Worauf Händler achten müssen

Damit Verbraucher auch nach der Corona-Pandemie weiterhin dazu bewogen werden online einzukaufen müssen Händler ihre Online-Shops zum Einen an die Bedürfnisse der neuen Kunden anpassen und zum Anderen weitere Techniken adaptieren, welche den Verbrauchern den Einkauf erleichtern. Dazu gehört beispielsweise eine Anpassung der Website an den M-Commerce, wodurch Händler es ihren Kunden ermöglichen ganz bequem von unterwegs über ihr Handy einzukaufen, beispielsweise nach einem langen und anstrengenden Arbeitstag während der Bahnfahrt nach Hause.

Zudem sollten Händler weitere Dienstleistungen, wie Click & Collect sowie einen Premiumversand mit in die Dienstleistungen ihres Onlineshops aufnehmen sowie sich Gedanken über eine geeignete Omnichannel-Strategie machen, also einer Verkaufsstrategie, die das Online- und Offline-Einkaufserlebnis vereint und dadurch ansprechender für potentielle Kunden ist. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Zahlungsart, die Händler auf ihrer Website anbieten, da deutsche Verbraucher ihre Bestellungen zwar immer noch gerne per Rechnung begleichen PayPal sich jedoch immer größerer Beliebtheit erfreut.

Unterm Strich

Realisiert werden können genannte Veränderungen mit einer Lösung zur Betrugsprävention, die auf maschinellem Lernen beruht, anstatt auf starren Regeln. Diese haben den Vorteil, dass sie sich schneller an veränderte Umstände anpassen können, was besonders im Zusammenhang mit Online-Bestellungen wichtig ist, da diese unterschiedliche Merkmale, wie abweichende Lieferadressen, Geräte, IP, etc. aufweisen können.

Ein Betrugspräventionssystem, das auf maschinellem Lernen beruht entlastet also nicht nur Teams zur manuellen Betrugsüberprüfung, sondern hilft bei der effektiven Bekämpfung gegen Betrug, da sich Betrüger und Betrugsringe sehr effektiv an dynamische und sich schnell verändernde Umstände anpassen können. Für Händler lohnt es sich daher ihr Unternehmen für die Zukunft zu rüsten und auf ein Betrugspräventionssystem umzusteigen, das auf maschinellem Lernen beruht, da sich die Entwicklungen unter der Corona-Pandemie nachhaltig auf den E-Commerce auswirken werden. Obwohl so mancher Verbraucher wieder in alte Verhaltensmuster, sprich Kaufverhalten zurückfallen wird, ist die E-Commerce-Revolution nicht mehr aufzuhalten.

Wichtige Takeaways

  • Großanschaffungen und Reisen auf den Beginn des Jahres 2021 verschoben
  • Lebensmittelindustrie, Medikamente und Mode-Händler gehen als Gewinner hervor
  • Verdopplung der Online-Verkäufe (Anstieg um 28%)
  • Nachhaltige Veränderung der deutschen E-Commerce-Landschaft und des Verhaltens deutscher Verbraucher