APMs erobern Europa

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Verbraucher verlangen europaweit nach einem einfacheren Checkout. Im Zuge dessen verändert sich auch die Zahlungspräferenz und alternative Zahlungsmethoden (APMs), wie E-Wallets und Buy Now Pay Later (BNPL), werden immer beliebter. Dies lässt sich zum Teil auf das Wachstum des M-Commerce zurückzuführen – mehr als ein Drittel der E-Commerce-Verkäufe in Europa werden auf einem mobilen Gerät getätigt – und viele APMs lassen sich problemlos in mobile Checkouts integrieren. Immer mehr europäische Verbraucher gehen demnach zu E-Wallets und BNPL-Optionen über. Händler, die ihre Produkte über die Grenzen des DACH-Marktes verkaufen wollen müssen darüber im Bilde sein welche Zahlungsmethoden in welchen Ländern am beliebtesten sind und wie unvorhergesehene Risiken, die mit der Ausbreitung von Online-Zahlungsoptionen verbunden sind, abgemildert werden können. 

Vielfalt ist so wichtig wie noch nie zuvor

Die Notwendigkeit, mehr alternative Zahlungsmethoden zu integrieren, ist für Online-Händler unerlässlich, um mit den Vorlieben der europäischen Verbraucher Schritt zu halten. Interessant ist zu beobachten, dass es dabei von Land zu Land erhebliche regionale Unterschiede gibt.

Nach Angaben des MPE brechen 50% der Verbraucher eine Transaktion ab, wenn ihre bevorzugte Zahlungsoption nicht verfügbar ist. Nicht alle APMs werden auf allen Märkten innerhalb Europas in ähnlicher Weise bevorzugt. In den skandinavischen Ländern ist BNPL am weitesten verbreitet. In Deutschland sowie in den südlichen Ländern wie Spanien und Italien nimmt die Beliebtheit von E-Wallets zu, wohingegen niederländische Verbraucher Banküberweisungen bevorzugen. 

Händler sollten demnach die Integration von APMs entsprechend den Vorlieben der Verbraucher auf dem jeweiligen Markt anpassen. Dabei müssen Händler vor allem die Vorlieben der einzelnen europäischen Märkte individuell abwägen. Um die Unterschiede zwischen alternativen Zahlungsmethoden weiter zu untersuchen, wollen wir uns im Folgenden drei der beliebtesten Dienstleistungen genauer ansehen. 

E-Wallets

Ein E-Wallet ist ein Konto bei einem Drittanbieter, welches die Zahlungsmethode und persönlichen Daten des Kunden enthält. Sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, weil sie im Wesentlichen die Verbindung zwischen einer Karte oder einem Bankkonto digitalisieren und die Kaufabwicklung vereinfachen. Ein klassischer Checkout dauert durchschnittlich 22 Klicks, eine E-Wallet-Integration kann hingegen mit nur einem Klick eine Konvertierung bewirken. Während PayPal in diesem Bereich Pionierarbeit geleistet hat, haben sich Dienstleistungen, wie ApplePay und SamsungPay ebenso weiterentwickelt, wie die Dienstleistungen von Google und Amazon. 

E-Wallets sind inzwischen in ganz Europa weit verbreitet und werden besonders in Märkten wie Italien, Frankreich, Spanien und Großbritannien bevorzugt. Diese Märkte weisen auch im Allgemeinen eine höhere Verbreitung von Kredit- und Debitkarten auf, weshalb E-Wallets zu einer so dominierenden alternativen Zahlungsoption geworden sind. Neben Deutschland sind E-Wallets auch in Italien, Frankreich und Spanien die am weitesten verbreitete Online-Zahlungsmethode.

E-Wallets können jedoch von Betrügern leicht ausgenutzt werden, wenn diese über die Kreditkarteninformationen ihrer Opfer verfügen. Betrüger können die Karte dann in ihrem eigenen E-Wallet speichern, auch wenn der Name nicht übereinstimmt. Trotz Sicherheitsmaßnahmen, die Apple und anderen Unternehmen ergriffenen haben, um die Integration sicherer zu machen, kann es vorkommen, dass Betrüger unentdeckt bleiben, da die meisten Authentifizierungen von den ausstellenden Banken vorgenommen werden. Zu beachten gilt es bei der Aktivierung von E-Wallets beim Checkout, dass die von den Banken verlangte Verifizierung für Betrüger meist leicht zu knacken ist. 

Rechnungskauf

Der Rechnungskauf ermöglicht es Kunden, ihr persönliches Bankkonto zu nutzen, um ein Produkt online zu bestellen und es nach Erhalt zu bezahlen. Nachdem sich der Kunde von dem Produkt überzeugt hat, oder beispielsweise bestellte Kleidungsstücke anprobiert und sich entschieden hat, was er behält und was er an den Händler zurückschickt, überweist dieser das Geld direkt an den Händler.

Banküberweisungen sind seit Jahrzehnten in ganz Europa eine beliebte Methode, besonders beliebt ist sie jedoch bei niederländischen Käufern. iDeal in den Niederlanden ist einer der am weitesten verbreiteten Anbieter von Banküberweisungen. Infolgedessen zahlen 59% der niederländischen Verbraucher per Rechnung, welche die meistbenutzte Online-Zahlungsmethode ist. Auch in Polen, Belgien und den skandinavischen Ländern sind sie sehr beliebt.

Offene Rechnungen, die per Banküberweisung bezahlt werden, sind eine der riskantesten alternativen Zahlungsmethoden, da es passieren kann, dass ein Verbraucher zwar die Absicht hat seine Bestellung zu bezahlen, finanziell jedoch nicht in der Lage ist. Zudem können Betrüger Bestellungen leicht mit gestohlenen Karteninformationen bezahlen, die beim Käufer nicht überprüft werden. Dies könnte erklären, warum laut J.P. Morgan 3% der deutschen Verbraucher Betrug im E-Commerce erlebt haben.

Um dies zu vermeiden, müssen Händler über eine effektive Betrugserkennung verfügen. Eine wichtige Präventionsmaßnahme ist es, vor dem Versand der Waren abzuschätzen, ob es sich bei einem Käufer um einen Betrüger handelt. Ein Anbieter, der Chargebackgarantien anbietet kann dem Händler das Risiko abnehmen und ihm gleichzeitig helfen, mehr legitime Bestellungen zu bearbeiten. 

Jetzt kaufen, später zahlen (BNPL)

Jetzt kaufen, später zahlen ist eine Kategorie von Zahlungsmethoden, die Kunden eine verzögerte oder flexible Möglichkeit bieten ihre Rechnungen zu begleichen. Zum Zeitpunkt der Kaufabwicklung findet keine Zahlung statt, da die Gutschrift von einem Drittanbieter bereitgestellt wird. Der Kunde führt die Zahlung in der Regel in einer Reihe von vier Raten über einen bestimmten Zeitraum durch. Klarna, ein in Schweden ansässiger Anbieter, hat diesen Service populär gemacht, und neuere Anbieter wie AfterPay und Affirm haben schnell in Europa Fuß gefasst.

BNPL ist die am weitesten verbreitete E-Commerce-Zahlungsmethode in Schweden (25%) und anderen skandinavischen Ländern. BNPL ist auch in Deutschland sehr beliebt und hat sich nach E-Wallets und Banküberweisungen zur dritthäufigsten Online-Zahlungsmethode entwickelt. BNPL ist eine sicherere Zahlungsmethode sowohl für Händler als auch für Verbraucher, hat aber immer noch Schwachstellen. Im Gegensatz zu einer Rechnung ist es für Verbraucher schwieriger, säumig zu werden, da ihre Zahlungsinformationen bereits gespeichert sind. Genauso wie bei E-Wallets ist es jedoch einfach, ein BNPL-Konto mit den Kartendaten einer anderen Person zu erstellen. Und obwohl der BNPL-Anbieter das Betrugsrisiko übernimmt, sollten Händler proaktiv handeln, um ihren Markenruf und ihre Einnahmequellen zu schützen. 

Dies sind nur einige der alternativen Zahlungsmethoden, welche sich in ganz Europa immer mehr durchsetzen. Die APM-Nutzung wird jedoch mit der Zunahme des E-Commerce und des Online-Shoppings weiter zunehmen.